Digitalisierung ist kein Selbstzweck: Was Hotels von b_smart über profitable Betriebsmodelle lernen können – Tipps von CEO Lukas Fritschi

Wie können Hotels auch in ländlichen Regionen und B-Lagen wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden, wenn gleichzeitig die Personalkosten steigen, die ADRs niedriger sind und qualifizierte Mitarbeiter schwer zu finden sind?

Für Lukas Fritschi, CEO von b_smart hospitality, liegt die Antwort nicht allein in der Digitalisierung. Entscheidend sei vielmehr, das gesamte Hotelkonzept konsequent auf Standort, Zielgruppe und wirtschaftliche Rahmenbedingungen auszurichten.

In der aktuellen Folge des Podcasts „AUSGEBUCHT!“ spricht HotelPartner-CEO Oliver Meyer mit Lukas Fritschi darüber, wie Digitalisierung, Automatisierung und neue Betriebsmodelle dazu beitragen können, Hotels auch an weniger nachfragestarken Standorten profitabel zu betreiben.

Dabei wird deutlich: Nicht die Digitalisierung bestimmt das Hotelkonzept; das Hotelkonzept bestimmt, welche Digitalisierung sinnvoll ist.

Jetzt die komplette Folge anhören:

Warum Digitalisierung gerade in B-Lagen zum Erfolgsfaktor wird

Besonders für Hotels in kleineren Städten und ländlichen Regionen wird die Wirtschaftlichkeit zunehmend zu einer Herausforderung. Niedrigere Durchschnittsraten und schwächere Nachfragezeiten lassen klassische Betriebsmodelle mit dauerhaft besetzten Rezeptionen schnell an ihre Grenzen kommen.

Für Lukas Fritschi beginnt die Lösung deshalb nicht bei einem neuen System oder der Digitalisierung um ihrer selbst willen, sondern bei der strategischen Frage:

Welches Produkt funktioniert an diesem Standort – und für welche Zielgruppe?

Dabei spielen mehrere Faktoren zusammen, die Hoteliers für ihr Produkt beurteilen sollten:

  • Welche Zielgruppe soll angesprochen werden? Und welches Budget hat diese Zielgruppe?
  • Welche Services erwartet diese Zielgruppe? Stichwort Self-Check-in vs. Rezeption oder Automat und Honesty-Bar vs. Restaurant.
  • Braucht es ein eigenes F&B-Angebot? Oder gibt es genügend Restaurants in direkter Umgebung?
  • Wie kann dem Gast ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis geboten werden?
  • Wie viele Zimmer sind an diesem Standort überhaupt wirtschaftlich sinnvoll bzw. wie hoch ist die Nachfrage und das optimale Angebot an Zimmern?

Mehr Zimmer bedeuten nicht automatisch mehr Erfolg. An einem Standort können beispielsweise 25 Zimmer wirtschaftlicher sein als 50, wenn die zusätzliche Kapazität nicht ausreichend nachgefragt wird. Oder die Entscheidung gegen ein F&B-Angebot kann für manch ein Konzept nachhaltiger sein. Denn jedes leerstehende Zimmer und jeder freie Tisch sorgen für täglichen finanziellen Schaden. So braucht es für jedes Hotel das richtige Konzept.

Die richtige Balance finden: Automatisierung vs. Services

Für Lukas Fritschi steht die Digitalisierung der gesamten Guest Journey im Fokus: Dazu gehört z. B. neben Self-Check-in-Optionen auch ein e-Concierge, wo der Gast Empfehlungen bekommt, wo er essen gehen und was er in der Region machen kann. Gäste können ihre Reise somit auf der Plattform direkt organisieren – ein gutes Content Management macht es möglich.

Umgekehrt muss ein Self-Check-in nicht bedeuten, dass gar keine Gästebetreuung vor Ort stattfindet: Gerade wenn ein Betrieb abgelegen liegt und ein F&B-Angebot hat – das kann auch ein Modell mit Bar oder Lounge sein – können Mitarbeiter vom F&B auch gewisse Gästebetreuungsaufgaben wahrnehmen.

Grundlegend fährt Lukas Fritschi bei b_smart den Ansatz, dass Services, die für den Gast nicht so relevant sind, weggelassen werden. In die „Essentials“, wie ein gutes Bett oder sehr gut funktionierendes WLAN wird allerdings ebenso investiert wie in Hygiene und Sauberkeit. Das ist ein Muss.

Digitalisierung endet nicht beim Self-Check-in

Self-Check-in ist ein sichtbares Beispiel für Automatisierung. Doch dort endet die Gästereise noch längst nicht. Gerade im Backoffice sieht Lukas Fritschi großes Potenzial für Digitalisierung: administrative Prozesse lassen sich automatisieren, zentralisieren und effizienter gestalten – unabhängig davon, ob es sich um ein Budget-, Midscale- oder Luxushotel handelt. Hier zu unterstützen hat sich b_smart mit seinem Serviceangebot zum Ziel gesetzt.

Gleichzeitig gilt: Digitalisierung darf nicht von jetzt auf gleich umgesetzt werden. Werden neue Systeme eingeführt, ohne Prozesse und Personalstruktur entsprechend anzupassen, können zusätzliche Kosten entstehen, ohne dass die gewünschte Effizienz erreicht wird. Daher gilt es, Schritt für Schritt Prozesse anzugehen und in den Erfahrungsaustausch mit anderen zu gehen, die bereits etwas ausprobiert haben.

Fokus auf die eigenen Stärken

Viele Hoteliers haben die Tendenz, alles (selber) machen zu müssen, sieht Lukas Fritschi. In seinen Augen ist es viel wichtiger, sich auf seine Stärken zu fokussieren und externe Ressourcen und Partnerschaften nutzen, um alles andere abzudecken, was nicht zu den eigenen Stärken zählt.

Doch auch die Suche nach externen Dienstleistern ist hoch komplex, da immer mehr Anbieter mit neuen Services auf den Markt drängen. Er rät Hoteliers sich zu fragen:

  • Welches Angebot bringt mir überhaupt etwas?
  • Wo lohnt sich die Investition?
  • Welche Pain Points gibt es im Betrieb, die zuerst angegangen werden müssen?

So wie er und sein Team selbst, rät er Hoteliers, ehrlich zu schauen, welche Partnerschaften Sinn ergeben – nicht immer passt ein Dienstleister oder Partner zu einem.

Das Fazit: Erst die Strategie, dann die Technologie

Die Podcastfolge mit Lukas Fritschi zeigt: Digitalisierung ist nicht das eigentliche Ziel, das Hoteliers verfolgen sollten. Sie ist ein Mittel, um das jeweilige Hotelprodukt effizienter und wirtschaftlicher zu betreiben und geht einher mit der passenden Strategie.

Oder anders gesagt:

Das richtige Produkt am richtigen Ort für die richtige Zielgruppe muss definiert sein. Erst danach stellt sich die Frage, welche Prozesse digitalisiert und automatisiert werden sollten.

Im Gespräch mit Oliver Meyer geht es außerdem um die Wirtschaftlichkeit ländlicher Hotelstandorte, optimale Hotelgrößen, F&B-Konzepte, zentrale Service-Strukturen und die Frage, warum Hoteliers sich stärker auf ihre eigenen Stärken konzentrieren und Partnerschaften nutzen sollten.

🎧 Jetzt die komplette Folge von „AUSGEBUCHT!“ anhören und erfahren, wie Lukas Fritschi Hotels auch abseits der klassischen Top-Lagen wirtschaftlich erfolgreich aufstellt.

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