Wie gelingt es einem Familienhotel, über Generationen hinweg erfolgreich zu bleiben? Welche Rolle spielen Leidenschaft, Führung und Profitabilität? Und warum müssen Hoteliers heute stärker denn je auf die richtige Positionierung und vielfältige Gästemärkte setzen?
Darüber spricht HotelPartner-CEO und Podcast-Host Oliver Meyer in einer neuen Folge von „AUSGEBUCHT! – Preise, Performance, Profite“ mit Thomas Walther vom Hotel Walther und Hotel Steinbock in Pontresina. Als Hotelier in dritter Generation kennt er die Herausforderungen familiengeführter Betriebe aus eigener Erfahrung – und hat bereits mehrere Generationenübergaben miterlebt.
Im Gespräch geht es deshalb um weit mehr als klassische Hotellerie: um die Zukunft von Familienbetrieben, moderne Führung, Mitarbeiterbindung, wirtschaftliche Stabilität und die Frage, wie sich ein Hotel langfristig attraktiv und profitabel aufstellen lässt.
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Wenn Hotellerie mehr als ein Beruf ist
Thomas Walther ist seit 1997 verantwortlich für den Familienbetrieb. Seine Verbindung zur Hotellerie wurde ihm also in die Wiege gelegt: Die Familie führt den Betrieb in Pontresina bereits in dritter Generation, und sein Urgroßvater zuvor noch einen anderen.
Diese lange Verbindung prägt auch Thomas Walthers Verständnis von Arbeit und Beruf. Für ihn ist Leidenschaft ein entscheidender Faktor: Ein Beruf sollte mehr sein als eine reine Einkommensquelle, da man einen Großteil seines Tages damit verbringt. Gerade in der Hotellerie, wo man eng mit Menschen arbeitet, wird diese Einstellung für ihn zum wichtigen Erfolgsfaktor.
Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür ist der dienstälteste Mitarbeiter des Hotel Walther: Seit 1977 arbeitet ein heute 73-jähriger Kellner im Betrieb – und denkt noch immer nicht an den Ruhestand. Für Thomas Walther zeigt sich darin vor allem eines: Wenn Menschen ihre Arbeit als erfüllend erleben, kann daraus eine außergewöhnlich lange Bindung entstehen.
Generationenübergabe: Nicht warten, bis es zu spät ist
Für familiengeführte Hotels ist die Nachfolgeregelung eine der entscheidenden Zukunftsfragen. Thomas Walther hat bereits zwei Übergaben innerhalb der Familie erlebt und bereitet aktuell die nächste Generation, die Übergabe an seine Kinder, vor. Seine wichtigste Empfehlung: frühzeitig mit der Nachfolge beginnen. Und den Betrieb auf wirtschaftlich starke Beine stellen.
Eine Übergabe sollte nicht erst dann starten, wenn die bisherige Generation aus dem Tagesgeschäft ausscheidet. Stattdessen braucht es Zeit für einen gemeinsamen Prozess: Kompetenzen müssen definiert, Rollen geklärt und Erwartungen zwischen den Generationen besprochen werden. Und man soll in jedem Fall mit warmen Händen den eigenen Betrieb abgeben.
Hoteliers sollten mit ihren Nachfolgern folgende Fragen erarbeiten:
- Wie und wie lange soll der Übergabeprozess gestaltet werden?
- Wer besitzt anfangs welche Kompetenzen?
- Wie lange sollen die „Alten“ noch unterstützend dabei sein?
- Wer tritt den Mitarbeitern als oberster Chef entgegen?
Doch eine erfolgreiche Übergabe beginnt für Thomas Walther noch früher: bei der Beziehungsarbeit innerhalb der Familie. Auch eine gute Streitkultur gehört dazu, denn unterschiedliche Meinungen sind nicht zwangsläufig ein Problem – entscheidend ist, dass alle Beteiligten trotz Konflikten ein gemeinsames Ziel verfolgen und gut miteinander kommunizieren können, auch wenn es mal unangenehm wird.
Führung ist heute eine Art Teamsport
Auch die Art, wie Mitarbeiter in Hotels geführt werden, hat sich laut Thomas Walther fundamental verändert. Während Führung früher deutlich hierarchischer geprägt war, sind Strukturen heute flacher und stärker teamorientiert. Der Grund dafür liegt auch in der zunehmenden Komplexität der Hotellerie: Ein Hotelier muss sich heute mit Dynamic Pricing, IT, Küche, Service, Technik, Finanzen, HR und vielen weiteren Themen auseinandersetzen. Alles davon selbst beherrschen zu wollen, ist aus Thomas Walthers Sicht nicht mehr möglich.
Die Aufgabe von Führung verändert sich dadurch: Es geht stärker darum, die richtigen Menschen an die richtigen Positionen zu bringen und ihre jeweiligen Stärken zu erkennen.
Thomas Walther vergleicht Führung deshalb mit einem Teamtrainer. Nicht jeder Spieler ist für jede Position geeignet. Wer seine Mitarbeiter entsprechend ihrer Fähigkeiten einsetzt, schafft die Grundlage für ein funktionierendes Team.
Quellmärkte: Diversifikation statt Klumpenrisiko
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Entwicklung des Schweizer Tourismus. Thomas Walther sieht dabei verschiedene Standortvorteile der Schweiz:
- politische Stabilität,
- Rechtssicherheit,
- und eine funktionierende Infrastruktur.
Dabei zeigt sich, wie stark sich die internationalen Gästemärkte verändern; besonders der US-Markt ist laut Thomas Walther in der Schweiz deutlich stärker geworden. Gleichzeitig stellt er die Frage, wie nachhaltig ein Markt funktioniert, wenn bestimmte Preisniveaus nur von einer kleinen internationalen Zielgruppe getragen werden können.
Damit wird eine Herausforderung deutlich, die auch für andere Destinationen relevant ist: Eine starke Nachfrage aus einem einzelnen Markt kann attraktiv sein – sie schafft aber gleichzeitig eine Abhängigkeit. Genau hier liegt für Walther eine der zentralen Herausforderungen im internationalen Tourismus: Währungsschwankungen, Krisen oder geopolitische Ereignisse können ganze Gästesegmente plötzlich beeinflussen.
Die Schlussfolgerung ist nicht, einen bestimmten Markt grundsätzlich zu bevorzugen. Vielmehr geht es darum, Abhängigkeiten zu erkennen und die eigene Gästestruktur bewusst zu gestalten, wobei nicht jede mögliche Zielgruppe automatisch zum Hotel passen muss.
Das Fazit: Die Zukunftsfähigkeit will gut geplant sein
Das Gespräch mit Thomas Walther zeigt, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, wenn langfristig eine Übergabe des Betriebs geplant ist:
Zukunftsfähigkeit entsteht durch ein Zusammenspiel aus Profitabilität, einem attraktiven Produkt, guter Führung, Mitarbeitern mit einer Berufung für die Hotellerie und einer diversen Gästestruktur.
Für Familienhotels kommt eine weitere Dimension hinzu: die Frage, ob ein Unternehmen so gesund und attraktiv aufgestellt ist, dass die nächste Generation es tatsächlich übernehmen und weiterentwickeln möchte. Thomas Walther spricht dabei aus der Perspektive eines Hoteliers, der selbst bereits mehrere Generationenübergaben erlebt hat und seit Jahrzehnten mitten im operativen Geschäft steht. Genau diese Erfahrung macht die Folge besonders spannend.
Darüber, wie sich Führung verändert, warum eine strukturierte Nachfolgeplanung so wichtig ist und über viele weitere Themen spricht Thomas Walther ausführlich in der aktuellen Folge von „AUSGEBUCHT! – Preise, Performance, Profite“.

